Einzel- und Gruppenassessments – die geeigneten Instrumente zur Leistungs- und Potenzialbeurteilung !

In: PSP Directory, 2002, Rolf Haebler, MPW Beratungsteam

 

Assessments gelten zu Recht als optimale Instrumente bei der Selektion von Führungskräften und hochqualifizierten Spezialisten sowie zur Potentialbeurteilung. Werden die erforderlichen Qualitätskriterien eingehalten, bieten Einzel- wie Gruppenassessments eine aussagekräftige und zuverlässige Grundlage für wichtige Personalentscheidungen. Für Assessment-TeilnehmerInnen stellt die professionelle Fremdbeurteilung eine wertvolle Standortbestimmung dar.

Die Anforderungen an Führungskräfte sind hoch und nehmen weiterhin zu. Vor allem Sozial- und Führungskompetenz sind entscheidende, in der Praxis oft schwierig zu beurteilende Erfolgsfaktoren. Assessments werden von qualifizierten und erfahrenen PsychologInnen mit dem Ziel durchgeführt, Fähigkeiten und Fertigkeiten der KandidatInnen zu beurteilen und dem Auftraggeber die erwarteten Entscheidungsgrundlagen zu liefern.

Einzel- oder Gruppenassessment?

Das Einzelassessment kann jederzeit ohne grossen Vorbereitungsaufwand durchgeführt werden. Normalerweise dauert es einen Tag, während dem die Kandidatin oder der Kandidat von qualifizierten PsychologInnen auf Herz und Nieren geprüft wird. Dies geschieht durch Interviews, psychologische Tests, Computersimulationen, Fallstudien und Verhaltensbeobachtungen in möglichst realitätsnahen Situationen wie Kunden- oder Mitarbeitergesprächen.

Auswertung und Interpretation aller Ergebnisse führen zu einer Persönlichkeits-, Fähigkeits- und Leistungsbeurteilung. Diese wird den vom Auftraggeber definierten Entscheidungskriterien gegenübergestellt. Im Assessment- Bericht werden Stärken und Schwächen beschrieben und zur Eignung für eine definierte Zielfunktion oder Laufbahn Stellung genommen. Im Falle einer Potenzialbeurteilung werden Möglichkeiten und Grenzen der Kandidatin oder des Kandidaten definiert.

Beim Assessment Center wird das Verhalten einer Gruppe von Teilnehmenden von mehreren Beobachtenden in verschiedenen praxisrelevanten Situationen in Bezug auf unternehmensspezifische Anforderungen beobachtet und beurteilt. Das Assessment Center ermöglicht eine Beurteilung aufgrund des beobachtbaren Verhaltens. Das durch mehrere Beobachtende sichergestellte Mehraugenprinzip stützt die Objektivität des Verfahrens.

Jedes Assessment bietet für alle Beteiligten wertvolle Lernerfahrungen. Die auftraggebende Organisation definiert die Anforderungskriterien praxisgerecht. Assessments tragen wesentlich dazu bei, dass Mitarbeitende in ihnen entsprechenden Funktionen eingesetzt und Unternehmens- und Führungskultur gefördert werden.

Transparenz obligatorisch

Assessment-KandidatInnen können für sie wichtige Erkenntnisse nur nutzen, wenn volle Transparenz gewährleistet ist. Genauso wie der Auftraggeber erhalten sie den Assessment-Bericht. Zusätzlich haben sie Anrecht auf ein ausführliches Feedback-Gespräch. Dieses ermöglicht das Klären von offenen Fragen und Meinungsverschiedenheiten und erlaubt es, erste Lernschritte einzuleiten.

Qualitätskriterien: Entscheidend aber nicht immer erfüllt

Für professionelle Assessments müssen mehrere Qualitätskriterien erfüllt sein. Unverzichtbar sind anforderungsgerechte Beurteilungskriterien und die Sicherung der Objektivität durch die Mitwirkung mehrerer, professionell ausgebildeter Beurteilender. Die eingesetzten Instrumente müssen effizient, zuverlässig und der Fragestellung angemessen sein. Automatisch generierte Standardberichte genügen den Anforderungen an eine differenzierte Beurteilung nicht.